HOMOPHOBE KIRCHE?

Neulich auf einer Demo wurde ich wieder einmal angesprochen.
Ob ich zur Kirche gehöre. Klar, mit größtem Vergnügen.
Und was hältst du von Homosexualität?

Er ist vermutlch schwul...das verrät die Organisation, die auf seinem Shirt abgedruckt ist.

"Nicht so viel," sage ich, "aber euch Schwule mag ich total."

Unverzüglich bin ich um eine Reihe nicht eben schmeichelhafter neuer Spitznamen reicher und erfahre, dass Schwulenhasser bei ihren Argumenten immer demonstrativ ihre schwulen Freunde, die sie im echten Leben haben und die ihren Hass legitimieren, ins Feld führen.

Das hatte er jetzt falsch verstanden, doch ich beließ es dabei. Einen konstruktiven Diskussionsbeitrag hatte er ja nicht erbracht. Und ich habe wirklich schwule Freunde, Ehrenwort!

Ich musste noch länger daran denken, auch an meine schnelle und unüberlegte Antwort. Und ich musste einsehen, dass sie wirklich ernst und ehrlich meiner Überzeugung entsprach.

Heute definieren sich die meisten Menschen über ihre Taten, ihr Verhalten, ihr Können. Ihr Fühlen.

Da unsere Gesellschaft aber Maßstäbe mittlerweile ablehnt, definieren wir uns und unsere Mitmenschen in abstruser Willkür. Politiker, die ihre Doktorarbeiten gefälscht haben oder Promis, die unglückliche Schnappschüsse ins Feld führen, werden fertiggemacht. Wir selbst tragen mit Fassung unsere Schwarzfahrten in der U-Bahn. Schwangere, die Rauchen, werden fertiggemacht...gleichzeitig sind wir für Abtreibung. Wir protestieren gegen staatliche Willkür und fordern danh härtere Gesetze gegen dies und jenes. Wir stauchen unsere eigenen Kinder zusammen und regen uns über unsere Nachbarn auf, die ihren Hund ausgesperrt haben.

Und wir nehmen alles persönlich, da wir uns über unsere Fehler und Taten definieren.

Und da kommt die große Lösung.

Die ist von der katholischen Kirche zwar nicht patentiert, aber seit 2000 Jahren tragendes Alleinstellungsmerkmal.

Gott definiert uns nämlich nicht über unsere Taten. Er liebt uns als Menschen und will, dass wir uns und die anderen ebenso lieben. Er zieht keinen vor, er stellt keinen zurück. Er liebt uns einfach, egal, wie viel/wenig wir erreichen, egal wie gut/schlecht unsere Taten sind.

Allerdings gibt es Sünde. Das sind die Sachen, die uns von Gott ablenken. Ihn nicht von uns...keine Sorge. Aber wir stehen uns damit selbst im Weg, da wir uns damit gegen Gott entscheiden. Dazu zählt außerehelicher Geschlechtsverkehr (also Sex vor der Ehe, Pädophilie, Prostitution, Homosexualität, Fremdgehen jeder Art), Dinge wie Stehlen und Betrügen. Lügen, Unfreundlichkeit... Sünde. Eigentlich ist alles eine Sünde, was wir ohne Liebe tun. Ohne Liebe zu Gott und damit unseren Mitmenschen. Das ist die Definition.

Einerseits ist die Kirche damit der einzige Club, der knallhart zwischen gut und böse entscheidet. Mit klaren Maßstäben, die, ehrlich gesagt, so ziemlich alles eher erleichtern als umgekehrt. Bevor ich böswillig über andere herziehe überlege ich mir selbst, was ich privat so verbreche.
In Unterhaltungen bin ich gern sarksatisch und auch böse...das ist sicher nicht gut. Es ist ein Hindernis zu Gott und das sollte ich ausräumen, sonst hab ich irgendwann das Nachsehen...nach meinem Tod. Und im Grunde auch jetzt schon. Aber es fällt mir echt schwer, davon zu lassen, weil ich wirklich Spaß dran habe. Nicht die Leute, die es trifft. Und Gott daher auch nicht.

Andererseits ist die Kirche der einzige Club, bei dem jeder aufgehoben ist. Und keiner der Böse ist, da Taten unseren Wert nicht definieren vor Gott. Keiner fliegt raus, weil er irgendwas tut. Einige haben sich über andere Mitglieder, ihre Ansichten und Entscheidungen (manchmal zurecht) aufgeregt und ihren eigenen Verein gegründet. Aber in der Kirche ist nunmal jeder willkommen...und man kann nicht fliegen, da Gott uns nicht über unsere Taten definiert. Er hat einen zum ersten Papst gemacht, der ihn in seiner schlimmsten Stunde feige verraten hatte, sich nicht zu ihm bekannte und beim grausamen Tod seines besten Freundes aus Angst nicht dabeisein wollte.

Liebe Schwule, die Kirche mag euch wirklich! Gott mag euch, keiner hat etwas gegen euch. Niemand.
Was ihr tut, tolerieren wir. Das ist egal. Das ist zwischen euch und Gott. Und das geht uns einen Scheiß an.

Und wenn ihr den letzten Satz ein bisschen ernstnehmen könnt, liebe Aktivisten, sollte euch klar sein, dass es auf all unseren bösen Demos nicht gegen euch geht. Es ist fast schon spaßig, wenn sich schwule Pärchen beim Marsch fürs Leben demonstrativ abschlecken, um die Marschierenden zu provozieren. Zu Hause machen wir das auch manchmal, aber danke für die öffentliche Vorstellung. Abtreibung und Euthanasie haben ja eigentlich nichts mit Schwulenhass zu tun.
Nächster Fall: Demo für alle. Die Grünen, eine mehr oder minder durch Pädophile vertretender Verein, will unsere Grundschulkinder aufklären. Mit Methoden, die unter Erwachsenen als sexuelle Belästigung gelten würden. Mit SM- und Orgasmuspantomime, Dildos und dergleichen. Das ist doch krank... und das sind unsere Kinder.

Ich weiß, das ist schwer zu verkraften, aber dass ihr unsere Demo bekämpft und uns bis ins Wasser nachhüpft ist eher verwirrend als beeindruckend. Schließlich hat niemand was gegen euch gesagt. Und einige von uns sind selbst schwul. Hat ja auch gar nichts mit der Thematik zu tun.

Hilfreich wäre, wenn auch ihr etwas toleranter an die Thematik herangeht. Dann würde schnell auffallen, dass ihr an falscher Front kämpft.

Homophobie gibt es z.B. in Teilen der HipHopSzene. Dort können wir gerne gemeinsam für Toleranz kämpfen! Ein etwas offenerer/toleranter Blick würde euch vielleicht davon abhalten, euch das nächste Mal von den Grünen und der SPD für ihre fragwürdigen politischen Aktionen instrumentalisieren zu lassen (liebe Piraten auf der Demo für alle).

Und uns nur kurz zuhören, das hilft.

Kommentare

Beliebte Posts