Sonntag, 27. Dezember 2015

WAS ICH SCHON IMMER MAL ZUM THEMA FREIHEIT & TOLERANZ LOSWERDEN WOLLTE


Im Februar 2016 ist wieder DEMO FÜR ALLE in Stuttgart. Das und die Diskussion um die EHE FÜR ALLE haben mich mal wieder dazu gebracht, einige Gedanken aufzuschreiben.


Wir Deutschen haben in lebhafter Erinnerung, wie es ist, wenn die Regierung das Volk in seinem Interesse erzieht. Natürlich rede ich von der NS-Zeit. So anders ist es heute nicht. Denn alles, was die Leute anscheinend mitbekommen hat ist, dass die Interessen des Staates damals falsch waren. Ist korrekt. Aber nicht nur die waren falsch, sondern auch die Methode.

Der Staat hat nicht die Aufgabe, sein Volk zu erziehen und Denkverbote zu erteilen. Damals nicht und heute auch nicht. Das Volk dagegen hat die Aufgabe, den Staat zu bilden, um den reibungslosen Ablauf der persönlichen Freiheit zu gewährleisten.

Ich bin sicher, dass viele Befürworter des Bildungsplans nur das beste wollen: Gegen Diskriminierung vorgehen. Aber wie tritt man Diskriminierung am besten entgegen? Indem man die persönliche Freiheit gewährleistet. Indem man Toleranz fordert und jeden sein Ding machen lässt, solange er seiner Umwelt nicht schadet. 

Alles, was mir wichtig ist, ist diese Freiheit. Dass jeder bitte tun darf, was er möchte, solange er das Grundgesetz nicht verletzt. Dass friedliche Katholiken mit friedlichen LGBTs friedlich zusammenleben können, falls sie das wollen, weil jeder seine eigene Überzeugung haben darf. Dass Kinder in der Schule respektvoll behandelt und aufgeklärt werden, um starke und selbständige Menschen mit einer eigenen politischen Meinung oder auch Religion werden zu können. Dass Kinder lernen, dass Menschen unterschiedlich sind und doch alle gleich wertvoll. Dass sie ihre eigene Meinung, und sei sie noch so verrückt und abwegig, haben dürfen... aber immer verstehen, dass andere Menschen eine andere haben dürfen, und das Recht dazu haben.

Ist es nicht verrückt, wie sich dieses bescheuerte Volk nach einem Monarchen sehnt? Nach jemandem, der uns anerkennt und uns Bescheinigungen ausstellt und uns zu dem macht, was wir sind?

Ich kann verstehen, dass man eine solche Sehnsucht nach Orientierung empfinden kann, wenn man z.B. religionlos ist. Ist es nicht absurd, wie wir unsere eigene Freiheit um jeden Preis loswerden wollen?
Ich spreche von der Ehe. Mich als Christen lässt die staatliche Eheschließung ziemlich kalt. Für mich ist die Ehe ein Bund mit der Liebe meines Lebens und Gott. Für einen Atheisten vermutlich einfach der Bund mit der Liebe seines Lebens... nicht der Bund mit dem Staat und der Liebe seines Lebens.

Ehe für alle vom Staat zu fordern ist ein Schrei nach Anerkennung ... an jemanden, der mir weder emotional verbunden ist noch monarchisch über mir steht. An den Staat, mensch!! Ich dachte, nein, hoffte, wir wären über sowas hinweg. Ich wünschte es mir.
In "Greys Anatomy" heiraten Derek und Meredith im Aufenthaltsraum und schreiben ihre ganz persönliche Heiratsurkunde auf einen Notizzettel. Weil sie freie Menschen sind.

Die Regierung hat natürlich die Aufgabe, das Fortleben des Volkes zu sichern und gibt daher im Interesse des Volkes steuerliche Vorteile heraus, wenn sich ein Paar zwecks Fortpflanzung zusammentut. Bei gleichgeschlechtlicher Ehe nicht so ganz der Fall. Klar, auch die anderen heiraten nicht immer zwecks Fortpflanzung...manchmal bewusst, manchmal einfach aus physichen Gründen. Und falls man denen die steuerlichen Vorteile verweigert, meinetwegen!

Werdet endlich erwachsen! Macht euer eigenes Ding...und ernennt unsere Volksvertreter nicht zum allmächtigen Staat, der uns Dinge erlauben soll, die uns kein Mensch verboten hat. Der meinem Nachbarn verbieten soll, sein Haus lila zu streichen. Der mich endlich zum Einkaufen fahren und dann noch das Auto tanken soll...der bitte die Kinder erziehen soll...aber zack zack!

Mir ist egal, was der Staat von meinem Leben, meinen niemandem schadenden Beschäftigungen, meiner Religion und meinem Geschmack hält. Weil ihn das nichts angeht und ich selbst groß bin. Weil ich frei bin.

Ich wünsche euch allen, dass ihr frei werdet. Dass solche Späße wie Kindererziehung von oberster Stelle aufhören. Dass Menschen ihre Freiheit genießen lernen und friedlich und ohne andere zu beleidigen das tun, wozu sie sich berufen fühlen.

Es ist schrecklich, wenn irgendwelche Dilettanten andere aufgrund ihrer Religion, Sexualität, Denkweise oder ihres zweifelhaften Geschmacks diskriminieren, beleidigen, verletzen. Aber um dem entgegenzuwirken bring es nichts, wenn die Meinung dieser Menschen einfach zur Gegenmeinung erhoben und als alleinig akzeptabel aufgestellt wird. Wir brauchen keine Meinungsbildung. Wir brauchen Charakterbildung, die stark, selbständig und tolerant ist.

Mich stört die Vorstellung, die wir von Regierung haben...und die manche Regierende von sich selbst zu haben scheinen. Diese Sicht müssen wir ändern! Wie kann es sein, dass in einer Demokratie Menschen das Gefühl haben, von denen da oben ignoriert zu werden, weil die da oben irgendwie ein Eigenleben entwickeln?

Ich sage nicht: Bitte tut was! Was ich meine, ist: Bitte seid unsere Stimme.
Eine Religion, einen eigenen Charakter und das Recht, so zu leben, wie ich möchte, hab ich nämlich schon. Und wenn die Schule es schafft, die Eltern darin zu bestärken, aus Kindern freidenkende, tolerante und selbständige Menschen zu machen, werden Antidiskriminierungsgesetze hinfällig. Aber jemandem beizubringen, dass es Tabus des Denkens gibt, macht ihn nicht frei. Es macht ihn intolerant.

Samstag, 19. September 2015

GIANNA JESSEN: ICH ÜBERLEBTE MEINE ABTREIBUNG

"Meine biologische Mutter war im siebten Monat schwanger als sie sich entschloss, mich abzutreiben. Ich weiß nicht, wieso sie diese Entscheidung traf. Es war 1977. Sie und mein biologischer Vater waren damals 17 und nicht verheiratet.

Sie ging in eine Klinik in Los Angeles und ließ eine Abtreibung durch Säure vornehmen. Dabei wird eine Salzlösung in den Bauch der Mutter injiziert, welche das Baby schluckt. Diese Lösung verätzt das Baby also von innen und von außen. Die Idee war, dass sie das tote Kind innerhalb von 24 Stunden auf die Welt bringt. Aber durch Gottes Gnade überlebte ich.

Der Abtreibungsarzt war gerade nicht im Dienst, als ich zur Welt kam. Wäre er es gewesen, hätte er mein Leben durch Strangulation oder Ersticken beendet, oder mich einfach zum Sterben liegen lassen, was bis zum 5. April 2002 in den USA völlig legal war. Heutzutage müsste ein Kind, das seine Abtreibung überlebt hat, medizinisch versorgt werden. Der Arzt müsste eine Geburtsurkunde unterschreiben. Er müsste ein Leben bestätigen, das er nur Stunden vorher versuchte zu beenden.

Die einzige auch nur im entferntesten um mein Wohlergehen besorgte Person war die Krankenschwester. Sie rief einen Notarzt und ließ mich in ein Krankenhaus bringen. Nur zwei Pfund schwer wurde ich in einen Inkubator gelegt. Man erwartete nicht, dass ich überleben würde.

Nach einigen Monaten war ihnen jedoch klar, dass ich einen gewaltigen Überlebenswillen hatte. Ich kam in die Fürsorge und wurde mit 17 Monaten mit zerebrale Kinderlähmung diagnostiziert, eine Folge des Sauerstoffmangels den ich erlitten hatte, während ich 18 Stunden lang im Bauch meiner Mutter bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Ich konnte mich nicht bewegen und sie sagten, dass ich für den Rest meines Lebens einfach nur Gemüse sein würde.

Meine Pflegemutter, Penny, beschloss mit mir zu arbeiten, egal, was die Ärzte sagten. Sie machte mit mir dreimal täglich meine Übungen und ich begann, den Kopf zu heben, zu sitzen und zu krabbeln. Irgendwann, mit dreienhalb Jahren, war ich in der Lage mit Stützschienen und Gehhilfe zu laufen. Das war in dem Alter, als mich Pennys Tochter, damals um die dreißig, adoptierte.

Ich bin jetzt 28 und arbeite als Musikerin in Nashville, Tennessee. Ich hinke noch immer beim Laufen und falle manchmal hin. Aber ich habe eben meinen ersten Marathon abgeschlossen und werde nächsten April den London Marathon laufen um Spenden für Kinder mit zerebraler Kinderlähmung zu sammeln.

Diana hat mir von meiner Vergangenheit erzählt. Ich hatte immer schon so eine Ahnung, dass da etwas war in meiner Lebensgeschichte. Ich fragte immer nach, wieso ich Kinderlähmung hätte. Man sollte denken, dass ich zufrieden hätte sein können mit der Antwort, ich sei zu früh zur Welt gekommen oder hätte eine traumatische Geburt erlebt.

Doch als ich mit 12 Jahren wieder nachfragte und sie wissen wollte, ob es mir wirklich ernst war, sagte ich ja. Als sie es mir erklärte war meine Antwort typisch für eine Zwölfjährige. Ich sagte einfach, dass ich nun zumindest aus einem interessanten Grund Kinderlähmung hätte. Meine Mutter sagte etwas Gutes: Anstatt sich auf die Tatsache zu konzentrieren, dass du fast gestorben wärst, freue dich darüber, dass du lebst. Und das tue ich.

Als ich 17 war traf Diana meine biologische Mutter und richtete ihr ganz klar meine Vergebung aus. Ich bin Christin. Ich glaube, dass Verbitterung unser Leben auffrisst. Ich will das Gegenteil sein von bitter. Ich hatte sie nie treffen wollen. Penny hat mich so wunderbar geliebt, dass ich nicht das Bedürfnis fühle. Ich weiß nicht viel von diesem Treffen, außer dass sie nicht um meine Vergebung bat und später eine weitere Abtreibung gehabt hatte.

Ich begann über Abtreibung zu sprechen als ich 14 war und werde kommenden Dienstag bei einem Treffen das Parlaments vor dem Unterhaus darüber reden. Ich glaube, dass es wichtig ist, als jemand, der solche Dinge erfahren hat nicht nur die Wahrheit über Abtreibung zu verbreiten, sondern auch über das wunderbare Leben, welches man durch den Sieg über seine Schwächen haben kann.

Ich glaube nicht an ein Recht aufs Töten. Ich bin komplett gegen Abtreibung unter allen Umständen, auch bei Vergewaltigung.

Obgleich Vergewaltigung ein furchtbares Verbrechen ist glaube ich nicht, dass ein Kind für dieses Verbrechen bezahlen muss. Ich glaube nicht daran, dass Abtreibung in diesem Fall ein Problem löst. Tatsächlich habe ich Leute getroffen, die durch Vergewaltigung gezeugt wurden und sagen, dass sie froh sind am Leben zu sein. Wenn es bei Abtreibung vor allem um die Rechte von Frauen gehen soll, wo sind meine? Es gab keine radikalen Feministen die nach meinen Rechten gebrüllt hätten, welche an jenem Tag verletzt wurden.

Jeden Tag danke ich Gott für mein Leben. Ich sehe mich nicht als Nebenprodukt einer Empfängnis, einen Zellklumpen oder irgend eine andere Sache, als die Ungeborene oft bezeichnet werden. Ich sehe nicht ein, dass irgendjemand gezeugt wurde um eins davon zu sein. Ich habe Abtreibungsüberlebende getroffen. Sie alle sind dankbar für ihr Leben.

Heutzutage ist ein Baby nur ein Baby wenn es grade passt. Falls der Zeitpunkt nicht passt, ist es ein Zellklumpen. Ein Baby ist ein Baby, sobald im zweiten, dritten, vierten Monat eine Fehlgeburt stattfindet. Ein Baby wird als Zellklumpen bezeichnet, wenn im zweiten, dritten, vierten Monat eine Abtreibung durchgeführt wird. Warum ist das so? Ich sehe keinen Unterschied.

In glaube daran, dass ich der lebende Beweis dafür bin, dass Abtreibung der Mord an einem Menschen ist. Vor 28 Jahren fühlte meine Mutter die Berechtigung zu einer Entscheidung, von der sie dachte, dass sie nur sie selbst betreffen würde. Und doch trage ich die Spur ihrer "Wahl" in Form meiner Kinderlähmung jeden Tag meines Lebens bei mir. Obgleich ich ihr das nicht vorwerfe denke ich, dass es wichtig ist, dass Menschen darüber nachdenken, ehe sie ihre Entscheidung treffen."

Dieser Artikel stammt vom 6.12.2005 und ist zunächst bei The Independent (UK) und auf LifeNews.com (http://www.lifenews.com/2005/12/06/nat-1880/) erschienen.

Heute ist Gianna Jessen eine der bekanntesten Lebensrechtlerinnen in den USA und Weltweit.
Gianna auf Twitter & Facebook.

"Das Nachfragen an sich, als auch der Glaube, ein Recht auf eine Antwort zu haben, sind in diesem Zusammenhang rassistisch."

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber auf diesen Zusammenhang war ich sehr gespannt. Was dahintersteht ist kabarettreif. Ehrlich gesagt bin ich mir bis jetzt nicht sicher, ob es sich tatsächlich um Satire handelt. Und ich muss zu meiner großen Scham gestehen, dass ich nur etwa 20 Prozent des Textes dem Sinn nach und weitere 30 Prozent lediglich aus dem Kontext heraus verstehe. Aber bitte: Begebt euch, versehen mit meinen besten Glücks- und Genesungswünschen, in die Tiefen einer Debatte aus dem Bereich der Gender Studies.

FACHSCHAFTSINITIATIVE GENDER STUDIES: STATEMENT ZUM AUSSCHLUSS VON R.

Ich bin ehrlich erschlagen von so viel ... Fach. Witzig, wenns nicht so tragisch wäre...

"QUEER, PERVERS UND ARBEITSSCHEU..."

oder DIE 20 SCHÖNSTEN "GEGENARGUMENTE" BEIM MARSCH FÜR DAS LEBEN

Wieder einmal habe ich, wie 7000 Andere in Berlin beim Marsch fürs Leben aktiv von meiner Meinungs-, Demonstrations- und Redefreiheit Gebrauch gemacht und mich für biologisch/wissenschaftliche Tatsachen ins Zeug gelegt. Wie immer waren natürlich die Parolen der zahlenmäßig weit unterlegenden, in Sachen Lärm aber durchaus penetranten Gegendemonstranten ein Highlight der Veranstaltung. Diese Wunderwerke revolutionärer Dichtkunst gehen, sobald man sie erst verstanden hat, gut ins Ohr, weshalb ich ihnen diesen längst überfälligen Beitrag widmen möchte. Oder, wie sie es sagen würden: "DI-SEN-BEITRAAAG!! DER IST JETZT FÜR EUCH!!!!" (Ton wieder leise) Und ich möchte auf die Argumente gern einzeln eingehen. Schließlich möchte ich jeden ernstnehmen.

KEIN GOTT KEIN STAAT KEIN PATRIARCHAT!

Der Klassiker findet auf fast allen Demos Verwendung, wenngleich keiner der drei Standpunkte irgend etwas mit dem Thema Lebensschutz zu tun hat. Ersteres dürfte speziell die mitmarschierenden Atheisten belustigen. Viele sind aus religiösen Gründen ProLife, viele auch aus anderen Gründen. Kein Staat? Ok, das erklärt den Polizeischutz. Und die Che-Mützen. Und ist irgendwie verstörend. Wenn die Polizei nicht da wäre, was dann? Demokratie? Parlay? Wie genau eure Iudicative aussieht, sobald diese Pläne umgesetzt sind, will ich mir gar nicht vorstellen. Tarantino könnte bestimmt einen coolen Film drüber drehen...


STAAT NATION RELIGION SCHEISSE!

Entspricht etwa der ersten Parole, ist aber noch nicht ganz so populär...geht auch nicht ganz so gut ins Ohr. Was hier inhaltlich hinzukommt ist die "Nation" (etwa, weil es wie Nazi klingt? Gibts hier nicht!) sowie die Zusammenfassung in "Scheiße." Könnte auf Menschen mit deutschem Pass (ihr meint ja Deutschland, oder?) wie eine Beleidigung wirken. Oder auf die Vertreter der staatlichen Exekutive, die hier ganz in der Nähe zum Schutz aufgestellt sind. Oder auf religiöse Menschen. Aber wir sind mal nicht so.
Aber: language! Da sind Kinder auf der Demo!!
Auch hier kein Bezug zum Thema.

NIE NIE NIE WIEDER KEUSCHHEIT!

Ok, darüber musste ich erst eine Weile nachdenken, denn: Auch hier kein Bezug zum Lebensschutz. Oder gar ein Argument.  Was genau schlimm an Keuschheut ist wird zwar nicht klar, aber bitte: Niemand soll zu irgend etwas gezwungen werden! Soll dieser Kriegsruf eure Abneigung gegen Personen im Priester- oder Ordensstand ausdrücken? Stellt uns eine/n Geistliche/n vor, den ihr persönlich kennt oder schildert doch mal eure negativen Erfahrungen mit der Keuschheit. Dreimal NIE klingt nach einem ernstzunehmend schweren Trauma. Oder dem krankhaften Gegenteil von Asexualität. Vielleicht sucht ihr besser einen Arzt auf.


WIR SIND DIE PERVERSEN, WIR SIND EUCH AUF DEN FERSEN!

Also wenn ihr euch selbst als Perverse bezeichnet ... wer wäre ich, dem zu widersprechen? Auf den Fersen ist auch richtig, voraus seid ihr uns zumindest nicht. Allerdings kann diese Aussage auch ganz schnell als Drohung interpretiert werden. Und wer weiß ... vermutlich müssten wir um unser Wohlergehen bangen, gäbe es nicht die Polizei. An dieser Stelle ein dankender Blick Richtung "Staat, Nation, Religion". Auch hier kein konstruktives Argument in Sicht.


HÄTT MARIA ABGETRIEBEN WART* IHR UNS ERSPART GEBLIEBEN!

Ok, auch hier nur der religiöse Bezug. Hatten wir schon, siehe oben. Klar wärt ihr froh, wenn wir euch erspart blieben, aber da wir in einer durch Meinungsfreiheit definierten Demokratie leben, bleiben einem normalerweise Gegenmeinungen nicht erspart. Dann wären wir keine Demokratie mehr. Und übrigens: Schön zu hören, dass wir euch offenbar doch auf die Nerven gehen. In Nordkorea, der DDR oder im dritten Reich wären wir euch wahrscheinlich erspart geblieben ...  glücklicherweise leben wir noch nicht in einem totalitären Staat. Aber keine Angst, bald werdet ihr den wieder haben ;)


EURE KINDER WERDEN ALLE SO WIE WIR! EURE KINDER WERDEN ALLE QUEER!

Hier treffen wir auf ein Paradoxon. Man könnte obenstehenden Satz so weiterführen: "Treibt doch ab, sonst pflanzt IHR UNS fort! Tragisch". Moment, ich muss nochmal lesen. Also IHR seht euch als Negativbeispiel, sodass wir DOCH abtreiben? Zugegeben, der erste Kriegsschrei mit echtem Bezug zum Thema sowie einer zumindest versuchten Argumentation.
Vermutlich ist es aber auch hier so, dass der Satz einfach nur ärgern und aus dem Konzept bringen soll. Tut er nicht. Bei uns demonstrieren auch LGBT-Aktivisten mit. Und um eins mal auf christlicher Basis klarzustellen: Für den Wert eines Menschen, für sein Recht auf Liebe hat die sexuelle Orientierung gar keine Auswirkung. Die unveränderbare Würde JEDES menschlichen Lebens ist eigentlich unser Argument :) Obwohl wir natürlich alle hoffen, dass unsere Kinder nicht ganz so unhöflich und argumentationsschwach werden wie ihr...


LASST ES GLITZERN, LASST ES KRACHEN, FUNDIS HAM HEUT NIX ZU LACHEN!

Auch hier kein erkennbares Argument. Ich liebe Glitzer, auch wenn gewisse Kleidungsstile tatsächlich Geschmackssache sind. Und ich lasse es auch sehr gerne krachen (ich sage nur WACKEEEEN!!!...kleiner Themenabstecher), auch in anderer Hinsicht. Was ein Fundi ist sollten wir vielleicht anderweitig klären, falls aber tatsächlich die Lebensschützer damit gemeint sind: Zumindest hier waren sie fast 6fach in der Überzahl. Nix zu lachen?


KONDOME SPIRALE LINKSRADIKALE!

Jede Demo begrüßt ja den Umstand, wenn sich Gegendemonstranten selbst als Radikale bezeichnen. Ich persönlich habe ja für Schwarzweißmalerei nicht viel übrig, also auch nicht für Radikale. Daher kann man sich mit diesem Spruch durchaus absetzen bzw. von der zu sabotierenden Demo distanzieren. Ansonsten ist die Aufzählung von Verhütungsmitteln in diesem Fall wohl eher als Charakterisierung der eigenen Gruppierung gedacht ... oder es reimt sich einfach gut. Würde ich jetzt nicht machen, mich über die Spirale als Ausdruck meiner Freiheit zu definieren. Muss ich ja auch nicht. Dürft ihr aber gerne.
Wie viele Parolen ist auch diese nicht ganz eindeutig. Um als Argument verstanden zu werden, sollte sie in der Ausdrucksweise noch etwas spezifiziert werden.
Ein in der ProChoice-Welt sehr beliebter Ausspruch ist auch, dass doch ausreichend Verhütung Abtreibungen ohnehin überflüssig mache. HIER der Gegenbeweis, falls obenstehende Parole in diese Richtung zielt.


CHRISTEN LASST DAS BETEN SEIN, ZIEHT EUCH EMMA GOLDMANN REIN!

Emma Goldmann würde sich im Grabe herumdrehen, wenn sie euch so hören könnte. Vielleicht sollte sich die kreischende Gegenfront selbst mal ihre Heldinnen reinziehen. Ist wie mit Margaret Sanger: Große Namen der Bewegung, über die man ich in der Bewegung heutzutage leider nicht mehr richtig informiert... Mit manchen Eigenschaften der beiden Damen würde nicht einmal Volker Beck hausieren gehen...
Beten ist ein ganz anderes Thema. Aber sehr hilfreich. Solltet ihr auch mal versuchen. Viel besser als Yoga.


HINTER DEM SEXISMUS STEHT DER KARDINAL! DER KAMPF UM BEFREIUNG IST ANTIKLERIKAL!

Ein echter Leckerbissen. Derzeit gibt es weltweit über 200 Kardinäle in der kath. Kirche. Für die Diskussion wäre es hilfreich zu erwähnen, welcher davon genau gemeint ist. Danke. Dass die Gegendemonstranten antiklerikal sind entspricht bestimmt der Wahrheit. Ihr Kampf ist es zumindest. Und ja, die Kirche (und damit der Klerus) sind auf der Seite der Lebensschützer. Aber ganz bestimmt nicht gegen Befreiung.Ihr wollt um eure Befreiung kämpfen? Nach euren Begriffen seid ihr doch längst frei! Keiner tut euch was! Keiner will euch was wegnehmen! Alles ruhig! Jeder Mensch hat das Recht auf Freiheit, Unversehrtheit, das Treffen eigener Entscheidungen. Immer dieser böse Klerus.Und falls ihr die Christen für Gefangene haltet: Niemand zwingt sie. Der freie Wille ist sehr wichtig im Christentum. Was glaubt ihr eigentlich, welches Jahr wir haben? 980??


MITTELALTER MITTELALTER HEY HEY!

Zunächst will ich festhalten, dass das Mittelalter eine oft falsch interpretierte Epoche ist. Recherchiert mal!
Ich gehe davon aus, dass der Begriff "Mittelalter" auch hier ein Synonym für "Zeit klerikaler Unterdrückung und minimaler Freiheit" oder auch "Hexenwahn" sein soll. Das sei mal so dahingestellt. Hat mit dem Lebensschutz nicht viel zu tun. Ganz objektiv betrachtet sind eure Parolen etwas mittelalterlich, außerdem der Umstand, dass 700 friedliche Demonstranten Polizeischutz brauchen. Und dass freie Meinungsäußerung von offiziellen politischen Parteien bekämpft wird. Und dass Argumente aus der Biologie nichts zu sagen haben.
Hauptproblem bei diesem Slogan ist und bleibt jedoch das nicht ganz geschickt gewählte Versmaß. Oder aber das vergessene dritte "Hey"...?


WIR KLATSCHEN LAUT APPLAUS, DIE DEUTSCHEN STERBEN AUS!

Naja, von staatlicher Seite sind wir da auf dem besten Weg, ihr dürft Hoffnung haben. Bleibt die Frage, ob die Gegendemonstranten sich selbst beklatschen, da sie die Fortpflanzungsleiter unterbrechen wollen? Oder gilt der Applaus verdient dem Familienministerium? Oder etwa uns...obwohl das, moment, keinen Sinn ergibt.
Oder allen zusammen, da sie die Lebensschützer als Vertreter der deutschen Nation sehen und nach einem Blick auf die Bevölkerungsentwicklung guter Hoffnung sind, dass hier bald keiner mehr leben wird? Oder wiederum uns, da sie uns für asexuell halten und somit nicht fortpflanzungsbestrebt? Oder, Achtung, die zölibatär lebenden Geistlichen?
Ihr müsst schon differenzieren. Und übrigens: Auch dieses "Argument" hat nichts mit Lebensschutz zu tun. Und nein, wir sind auch keine Nazis, die für den Erhalt der deutschen Rasse kämpfen, falls ihr das meint. Und nein niemand muss heiraten & Kinder bekommen.
Moment, zurück zum Thema.


VATIKAN, GOTTESSTAAT, WIR HABEN DICH ZUM KOTZEN SATT!

Nein, wir kommen leider nicht zurück zum Thema. Ganz abgesehen davon, dass sich "Staat" und "Satt" einfach nicht so recht reimen wollen.
Der Vatikan liegt in Italien und sollte eigentlich nicht wirklich nerven. Dem Gottesstaat dankt Deutschland derzeit eigentlich nur caritative Einrichtungen sowie ein auf Menschenrechte basierendes Grundgesetz. Und ist völlig freiwillig. Ok, ist in diesem Fall nicht ihrer Meinung, aber zwingt den Gegendemonstranten auch nichts auf.
Ich weiß nicht, was genau der Vatikan bzw. der Gottesstaat den hörbar traumatisierten Gegendemonstranten schlimmes getan hat. Vielleicht wurden eure Vorfahren tatsächlich als Hexen auf Scheiterhäufen der Inquisition verbrannt, was gleich aus mehreren Gründen sehr unwahrscheinlich ist (siehe HIER). Obwohl es zugegebenermaßen euer Recht ist zu sagen, was ihr zum Kotzen satt habt. Ich hab Abtreibung ja auch zum Kotzen satt. Gut, dass wir darüber geredet haben.


LASST ES GLITZERN, LASST ES KNALLEN, SEXISMUS IN DEN RÜCKEN FALLEN!

Erster Teil, siehe oben. Ganz meine Meinung! Zweiter Teil: Ebenso! Ich bin gegen Sexismus. Wir alle sind gegen Sexismus. Der Kampf für das Leben beinhaltet den Kampf gegen Sexismus. Ja, eine ungeplante Schwangerschaft kann verwundbar machen. In diesem Moment Frauen alleinzulassen und ihnen keine echte Wahl zu geben, halte ich für Sexismus. Frauen sind stark. Sie können Situationen meistern, jede Option ertragen, alle Folgen hören ohne Verrückt zu werden. Und dann frei und mit allen Möglichkeiten ihre Wahl treffen. Es ist sexistisch, dass Männer Frauen drohen, sie im Stich zu lassen, wenn sie nicht abtreiben, dass Schwangere & Mütter & potentiell Schwangere schlechter einen Job bekommen.


WIR BLEIBEN UNSERM MOTTO TREU: QUEER, PERVERS UND ARBEITSSCHEU!

Dem ist nichts hinzuzufügen.


HÖLLE HÖLLE HÖLLE!

Wie oben: Ihr solltet an eurem Ruf arbeiten. Ich vermute stark, dass dieser nicht näher erleuterte Ruf entweder eine Drohung (ok, eher nicht, ihr glaubt ja nicht dran ... ansonsten habt ihr damit iwie das Prinzip nicht ganz getroffen), eine Selbstdarstellung zur Abschreckung (naja, ihr merkt schon, dass ihr uns da einen Ball zuspielen wollt), eine Selbstdarstellung zur Attraktion (nein, funktioniert nicht) oder eine Art Mottoschrei der Selbstdarstellung in Begrifflichkeiten des Gegners (funktioniert schon besser ... ?) sein soll.
Auch hier gilt: Nicht alle Demonstranten sind religiös. Hier gehts um Lebensschutz. Bitte sachlich bleiben.


GEGEN SEXISMUS UND TRANSPHOBIE, FÜR FEMINISMUS UND ANARCHIE!

Tja, diese deutsche Sprache. Es würde dem Rhythmus der queeren Gegenreden ganz gut tun, zu den Spruchhandzetteln gleich Noten bzw. Taktangaben mitzuliefern. Aber egal. Komme ich mal zum Inhalt: Alles klar ... Sexismus/Feminismus hab ich oben erklärt. Aber was hat das alles mit dem Marsch fürs Leben zu tun? Wir sind Pro Life. Das heißt für JEDES Leben. Unabhängig von Meinung, Religion, sexueller Orientierung. Wie ich oben schonmal erwähnt habe: Für den Wert eines Menschen, auf sein Recht auf Liebe hat die sexuelle Orientierung gar keine Auswirkung. Die unveränderbare Würde JEDES menschlichen Lebens ist eigentlich UNSER Argument :) (Und Nacktproteste sind eigentlich katholischen Ursprungs, da wir schon beim leidigen Plagiatsthema sind, siehe Franz von Assisi...egal, ich sollte beim Thema bleiben...)

WAS KOTZT UNS SO RICHTIG AN? EINTEILUNG IN FRAU UND MANN!

Naja, kotzt mich nicht an. Ich bin sehr gerne eindeutig eine Frau. Aber wenn ihr da anderer Meinung seid, bitte! Mit Lebensrecht hat das nichts zu tun. Wie steht es so schön geschrieben: Jedem steht es zu, frei zu entscheiden, wovon er sich ankotzen lassen möchte und wovon lieber nicht. Oder so ähnlich.


EURE PRIESTER SIND SO QUEER/SCHWUL WIE WIR!

Zum Schluss nochmals ein Klassiker. Bemerkenswert, dass in LGBT-Kreisen bereits jetzt "schwul" eine Diskriminierung ist, da es all die anderen exotischen und natürlich gleichberechtigten Kategorien ausgrenzt. Ich habe gehört, dass nur eines schlimmer sei als Homophobe: Schwule Homophobe. Falls ich mal einen Vertreter einer der seltenen Spezies treffe, werde ich das überprüfen. Nur so nebenbei. Ist nicht einfach, mit all den sensiblen Begriffen tolerant umzugehen. Zu welch absurden Begebenheiten dieser Fettnäpfchenwald führen kann, sieht man beispielsweise HIER.
Leider ist stark anzuzweifeln, dass die Szene der Gegendemonstranten über genügend klerikale Begegnungspunkte verfügt, um eine solche Einschätzung machen zu können. Ich traue mir eine repräsentative Einschätzung zu und muss widersprechen.
Falls das Ganze eine Andeutung auf heuchlerische kirchliche Anführer und eine blind hinterherlaufende Masse sein soll ... halt. Spätestens jetzt fühle ich mich verletzt. Werft uns vor, was ihr wollt, aber sprecht uns nicht unsere Mündigkeit ab. Die ist völlig in Ordnung, ich versprechs.
Auch hier kein Argument in Sicht. Und wieder auf die Katholiken unter uns abzielend... wiederum sehr zum Schmunzeln aller mitdemonstrierenden Protestanten, Atheisten, Muslime und Buddhisten.

Wer noch nicht genug hat darf sich gerne HIER meine Sammlung der heftigsten/perversesten/witzigsten Gegenstimmen auf Twitter ansehen.

Zusammenfassend kann folgende überraschende Erkenntnis festgehalten werden: Begriffe wie PERVERS, ARBEITSSCHEU, RADIKAL und ANTIKLERIKAL werden von den Gegendemonstranten tatsächlich zur Selbstcharakteristik verwendet.
FUNDI steht vermutlich für FUNDAMENTALIST. Wie auch immer sich dieser Begriff auf einer Demo zum Lebensschutz landet...? Aber klingt sehr süß. Merk ich mir.


Liebe Gegendemonstranten,
ernsthaft?? Böse Zungen würden nun behaupten, dass ihr durch griffige Kriegsschreie eure mangelnden bzw. nichtexistenten Argumente kompensieren wollt. Tatsächlich vermute ich aber, dass diese Ausfälle ganz einfach der unausgewogenen Berichterstattung der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten sowie der im mittleren Niveauspektrum angesiedelten Tagespresse geschuldet ist. Ich schließe dies daraus, dass ihr weder mit den Zielen und Inhalten des Marsches vertraut seid noch die Vertreter der Bewegung zu kennen scheint. Ich empfehle euch, eine Demonstration zunächst kennenzulernen und den Rednern eure (gerne auch kritische) Aufmerksamkeit zukommen zu lassen anstatt euch zum Instrument populistischer Parteien zu machen. Ihr tretet euch selbst damit. Lasst uns offen und freundlich diskutieren! Überzeugt uns, ohne uns abschrecken oder beleidigen zu wollen. Wir sind Menschen wie ihr, aus allen Bereichen der Politik und des Lebens. Eine stumme, gesichtslose braune Masse, die plötzlich auftaucht...das hättet ihr gern. Hätten schon viele gerne gehabt ;)
Wir sind auch nicht hier um jemandem unsere Meinung aufzudrücken. Wir sind hier, weil wir eine Meinung haben und glücklicherweise noch haben dürfen. Weil wir unsere Kultur zeigen wollen. Wir zwingen niemanden. Wir sind tatsächlich gebildete Menschen, die über all diese Themen sachliche Argumente bringen können. Offenbar zählt ihr nicht zu dieser Gruppe.
Für das Leben zu kämpfen ins tatsächlich in gewissem Sinne etwas radikales, weil es jeden betrifft. Für das Leben zu sein bedeutet meiner Meinung auch, sich für Flüchtlinge, gegen den Hunger, gegen die Todesstrafe, gegen Krieg und gegen Diskriminierung einzusetzen. Das könnte erklären, wieso beim Marsch fürs Leben Muslime, Atheisten, Schwule, Christen, Kinder, Erwachsene, Handwerker, Akademiker, Familien und Politiker mitmachen. Ja, tatsächlich, so ist es.
Wir würden gerne mit euch diskutieren, aber es ist echt schwer, gegen euren offensichtlichen Hass und eure Intoleranz uns gegenüber anzukommen. Wir würden euch von den vielen Abtreibungsüberlebenden erzählen, von Frauen, die bei einer Abtreibung gestorben sind, von wunderbaren Kindern mit Downsyndrom und von Biologie und Wissenschaft. Abtreibung und Euthanasie sind keine einfachen Themen, sondern hochsensibel und mit viel Geschichte und Schmerz verbunden.
Einfach mal friedlich Meinungen austauschen, ohne dass Polizeischutz nötig ist.
Wie klingt das?






Dienstag, 4. August 2015

WARTEN AUF ENTSCHEIDUNGEN...

Zwei ziemlich große katholische Themen sind es, die mir 2015 Bauchschmerzen bereiten. Insbesondere jetzt. Zum einen die Bischofssynode zur Familie, zum anderen Medugorje. Und es fällt mir schwer zu sagen, bei welchem Thema ich dem Ausgang mit größerem Herzklopfen entgegensehe.

Grund ist, dass ich in beide Themen sehr stark involviert bin. Ich fürchte eine Lockerung der Wiederverheiratet/Geschiedenen-Situation in Sachen Sakramentempfang vor allem deshalb, weil dies für so viele, die mir nahestehen, ein riesiger Schlag wäre. Selbst schuld, dass ihr so lange enthaltsam gelebt habt. Selbst schuld, dass ihr so lange keine Sakramente empfangen habt. Ihr habt gezeigt, dass es möglich ist. War eigentlich nicht nötig.
Ich möchte Sicherheit, denn das ist eines dieser Alleinstellungsmerkmale der Kirche. Klare Regeln, und niemand wird gezwungen. Klare Definition von Richtig und Falsch, aber keine Verurteilung, sondern Vergebung. Egal wer. Und niemand wird rausgeworfen.

Und noch mehr: Medugorje. Ich weiß, wie schwierig dieses Thema ist und wie viele großartige Theologen dem ablehnend gegenüberstehen. Aber ich weiß auch, dass dieser Ort der Grund ist, dass die Hälfte meines Freundeskreises einem Orden angehört. Und dass ich selbst Unglaubliches erfahren habe. Mir ist kein anderes Phänomen in der katholischen Kirche bekannt, das derart unterschätzt wird wie dieser Ort und den Einfluss, den er in den letzten 20 Jahren auf die Kirche weltweit hatte. 
Der Einfluss auf mich, die Umwandlung, die meine Familie dadurch erfahren hat... es ist unmöglich für mich, davor die Augen zu verschließen.

Ich habe Angst, was passiert, wenn eines dieser beiden Themen anders ausgeht als erhofft. Der Kirche den Rücken kehren werde ich deswegen trotzdem nicht. Unsere Beziehung gibts einfach schon zu lange. Und die Kirche ist der Ort, über den Jesus sagte: "Ich bleibe bei euch alle Tage." Kann man sowohl als Warnung als auch als Ermutigung sehen.

Und noch eine Theorie: Alles wird gut. Ich muss aufpassen, nicht selbst der Übermacht weltlicher Medienimperien aufzulaufen. Vermutlich wird es sein, wie bei der Papstwahl. Was beraten, diskutiert und skandaliert bedeutete gar nichts. Am Ende war es ein Jesuit aus Argentinien.

Montag, 11. Mai 2015

Donnerstag, 23. April 2015

OH MY GOD.

Vor ein paar Tagen hat der Meeresbiologe David Shiffman einen sehr interessanten Satz getwittert:
"Science is how you turn WTF into OMG"

Ich bin mir nicht sicher, ob er damit genau das ausdrücken wollte, was ich verstanden habe. Aber ich musste unweigerlich an Johannes Paul II denken, wie er sagte: Wir fürchten die Wahrheit nicht! Als Christen sollen und dürfen wir forschen, Dinge hinterfragen. Die Wunder der Natur und alles um uns herum sind von Gott, und zu ihm führt alles zurück.

Anders ausgedrückt könnte der obige Satz wie folgt lauten:
  • "Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen." (Max Planck)
  • "Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott." (Werner Heisenberg)
  • "Die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. - Keiner der Erfinder des Atheismus war Naturwissenschaftler. Alle waren sie sehr mittelmäßige Philosophen." (Arthur Stanley Eddington)
Vermutlich wollte Shiffman lediglich ausdrücken, dass durch Wissenschaft Verwunderung in Staunen verwandelt wird...und nicht etwa in den sicheren Hafen von Gewissheit und Erklärung führt. Dass große Fragen noch größere, unlösbarere Fragen aufwerfen. Dass Wissenschaft also etwas verrücktes, paradoxes ist.
Nicht für uns Christen. Wir Christen lieben das Paradoxon. Dann kommt Gott ins Spiel. OMG.

Dienstag, 31. März 2015

HOMOPHOBE KIRCHE?

Neulich auf einer Demo wurde ich wieder einmal angesprochen.
Ob ich zur Kirche gehöre. Klar, mit größtem Vergnügen.
Und was hältst du von Homosexualität?

Er ist vermutlch schwul...das verrät die Organisation, die auf seinem Shirt abgedruckt ist.

"Nicht so viel," sage ich, "aber euch Schwule mag ich total."

Unverzüglich bin ich um eine Reihe nicht eben schmeichelhafter neuer Spitznamen reicher und erfahre, dass Schwulenhasser bei ihren Argumenten immer demonstrativ ihre schwulen Freunde, die sie im echten Leben haben und die ihren Hass legitimieren, ins Feld führen.

Das hatte er jetzt falsch verstanden, doch ich beließ es dabei. Einen konstruktiven Diskussionsbeitrag hatte er ja nicht erbracht. Und ich habe wirklich schwule Freunde, Ehrenwort!

Ich musste noch länger daran denken, auch an meine schnelle und unüberlegte Antwort. Und ich musste einsehen, dass sie wirklich ernst und ehrlich meiner Überzeugung entsprach.

Heute definieren sich die meisten Menschen über ihre Taten, ihr Verhalten, ihr Können. Ihr Fühlen.

Da unsere Gesellschaft aber Maßstäbe mittlerweile ablehnt, definieren wir uns und unsere Mitmenschen in abstruser Willkür. Politiker, die ihre Doktorarbeiten gefälscht haben oder Promis, die unglückliche Schnappschüsse ins Feld führen, werden fertiggemacht. Wir selbst tragen mit Fassung unsere Schwarzfahrten in der U-Bahn. Schwangere, die Rauchen, werden fertiggemacht...gleichzeitig sind wir für Abtreibung. Wir protestieren gegen staatliche Willkür und fordern danh härtere Gesetze gegen dies und jenes. Wir stauchen unsere eigenen Kinder zusammen und regen uns über unsere Nachbarn auf, die ihren Hund ausgesperrt haben.

Und wir nehmen alles persönlich, da wir uns über unsere Fehler und Taten definieren.

Und da kommt die große Lösung.

Die ist von der katholischen Kirche zwar nicht patentiert, aber seit 2000 Jahren tragendes Alleinstellungsmerkmal.

Gott definiert uns nämlich nicht über unsere Taten. Er liebt uns als Menschen und will, dass wir uns und die anderen ebenso lieben. Er zieht keinen vor, er stellt keinen zurück. Er liebt uns einfach, egal, wie viel/wenig wir erreichen, egal wie gut/schlecht unsere Taten sind.

Allerdings gibt es Sünde. Das sind die Sachen, die uns von Gott ablenken. Ihn nicht von uns...keine Sorge. Aber wir stehen uns damit selbst im Weg, da wir uns damit gegen Gott entscheiden. Dazu zählt außerehelicher Geschlechtsverkehr (also Sex vor der Ehe, Pädophilie, Prostitution, Homosexualität, Fremdgehen jeder Art), Dinge wie Stehlen und Betrügen. Lügen, Unfreundlichkeit... Sünde. Eigentlich ist alles eine Sünde, was wir ohne Liebe tun. Ohne Liebe zu Gott und damit unseren Mitmenschen. Das ist die Definition.

Einerseits ist die Kirche damit der einzige Club, der knallhart zwischen gut und böse entscheidet. Mit klaren Maßstäben, die, ehrlich gesagt, so ziemlich alles eher erleichtern als umgekehrt. Bevor ich böswillig über andere herziehe überlege ich mir selbst, was ich privat so verbreche.
In Unterhaltungen bin ich gern sarksatisch und auch böse...das ist sicher nicht gut. Es ist ein Hindernis zu Gott und das sollte ich ausräumen, sonst hab ich irgendwann das Nachsehen...nach meinem Tod. Und im Grunde auch jetzt schon. Aber es fällt mir echt schwer, davon zu lassen, weil ich wirklich Spaß dran habe. Nicht die Leute, die es trifft. Und Gott daher auch nicht.

Andererseits ist die Kirche der einzige Club, bei dem jeder aufgehoben ist. Und keiner der Böse ist, da Taten unseren Wert nicht definieren vor Gott. Keiner fliegt raus, weil er irgendwas tut. Einige haben sich über andere Mitglieder, ihre Ansichten und Entscheidungen (manchmal zurecht) aufgeregt und ihren eigenen Verein gegründet. Aber in der Kirche ist nunmal jeder willkommen...und man kann nicht fliegen, da Gott uns nicht über unsere Taten definiert. Er hat einen zum ersten Papst gemacht, der ihn in seiner schlimmsten Stunde feige verraten hatte, sich nicht zu ihm bekannte und beim grausamen Tod seines besten Freundes aus Angst nicht dabeisein wollte.

Liebe Schwule, die Kirche mag euch wirklich! Gott mag euch, keiner hat etwas gegen euch. Niemand.
Was ihr tut, tolerieren wir. Das ist egal. Das ist zwischen euch und Gott. Und das geht uns einen Scheiß an.

Und wenn ihr den letzten Satz ein bisschen ernstnehmen könnt, liebe Aktivisten, sollte euch klar sein, dass es auf all unseren bösen Demos nicht gegen euch geht. Es ist fast schon spaßig, wenn sich schwule Pärchen beim Marsch fürs Leben demonstrativ abschlecken, um die Marschierenden zu provozieren. Zu Hause machen wir das auch manchmal, aber danke für die öffentliche Vorstellung. Abtreibung und Euthanasie haben ja eigentlich nichts mit Schwulenhass zu tun.
Nächster Fall: Demo für alle. Die Grünen, eine mehr oder minder durch Pädophile vertretender Verein, will unsere Grundschulkinder aufklären. Mit Methoden, die unter Erwachsenen als sexuelle Belästigung gelten würden. Mit SM- und Orgasmuspantomime, Dildos und dergleichen. Das ist doch krank... und das sind unsere Kinder.

Ich weiß, das ist schwer zu verkraften, aber dass ihr unsere Demo bekämpft und uns bis ins Wasser nachhüpft ist eher verwirrend als beeindruckend. Schließlich hat niemand was gegen euch gesagt. Und einige von uns sind selbst schwul. Hat ja auch gar nichts mit der Thematik zu tun.

Hilfreich wäre, wenn auch ihr etwas toleranter an die Thematik herangeht. Dann würde schnell auffallen, dass ihr an falscher Front kämpft.

Homophobie gibt es z.B. in Teilen der HipHopSzene. Dort können wir gerne gemeinsam für Toleranz kämpfen! Ein etwas offenerer/toleranter Blick würde euch vielleicht davon abhalten, euch das nächste Mal von den Grünen und der SPD für ihre fragwürdigen politischen Aktionen instrumentalisieren zu lassen (liebe Piraten auf der Demo für alle).

Und uns nur kurz zuhören, das hilft.

Dienstag, 17. März 2015

GEFÜHLSCHAOS

Irgendwie ist es mir nicht klar gewesen, doch langsam muss ich den erschütternden Tatsachen ins Auge sehen.

Ich hatte es eigentlich getestet, und zwar an meinem Kommilitonen, meinem Cousin und meiner Nachbarin. Es zeigten sich keinerlei Symptome während des Umarmens, Raufens und teilens von Trinkbechern, die auf eine Phobie oder irgend geartete Paranoia hingewiesen hätte. Deshalb wog ich mich eigentlich in Sicherheit. Irgendwo kam die hirnrissige Vermutung angeschwappt, Homophobie ließe sich per Tröpfcheninfektion und Berührung eines bereits Erkrankten übertragen, doch war ich bisher keinem begegnet.

Wieso machte ich mir eigentlich Sorgen? Schließlich fühlte ich mich wohl! Keine Ahnung... es war wie immer, wenn die Medien etwas hochschaukeln: Schweinegrippe, Tod durch Pferdefleisch...keine Ahnung. Jedenfalls recherchierte ich im Zuge meiner Verunsicherung, fand zwar nur schwammige Andeutungen zu körperlichen, dagegen aber zumindest mehrere fettgedruckte und dick unterstrichene Hinweise zu psychischen Symptomen. Daraufhin durchdachte ich mein Verhältnis zu meinen schwulen Freunden und fand es zufriedenstellend.

Schließlich fasste ich mir dennoch ein Herz und konsultierte Klaus, meinen schwulen Vetter. Er sah mich mehrere Minuten durchdringend an und schüttelte dann den Kopf. "Du bist nicht homophob", diagnostizierte er. Er hatte keine Ahnung. Ich blieb hartnäckig.

"Es könnte was völlig unauffälliges sein. Vielleicht, weil ich Christ bin. Oder weil ich auf Pro-Life-Demos gehe. Oder weil ich gegen In-Vitro-Befruchtungen bin. Oder weil ich mich vegan ernähre. Oder weil ich die Grünen für Pädophile halte."

"Unwahrscheinlich."

"Wieso?"

"Ich hab die gleichen Symptome."

Das war einleuchtend. Ich erfreute mich also über einen viel zu langen Zeitraum meiner blendenden Gesundheit.

Ein Ereignis vor zwei Tagen warf mein Leben dann aus der Bahn. Sir Elton John persönlich machte mir klar, worin mein Fehler lag. Und zwar in Klaus. Homosexuelle können demnach doch an Homophobie erkranken. Zwar hatte ich noch immer nicht genau begriffen, aber offenbar sind und waren die kritischen Symptome der Erkrankung und ihre Zulassung weit komplexer als bisher vermutet. Das Leben als Homosexueller ist nämlich noch schwieriger als erwartet. Zu den hinlänglich bekannten Schwierigkeiten, die biologischer Natur sind, kommt nämlich der sogenannte Queer-Kodex, der in vielen Fragen der Ethik, Biologie, Physik und Politik klare Regeln vorgibt. Die gute Nachricht ist, der Kodex ist nicht offiziell, und man darf sein eigenes Leben führen, ohne auf die Finger zu kriegen. Die schlechte Nachricht ist, man kann aufs Dach kriegen...und zwar von unabhängigen Queer-Milizen, die vornehmlich im Internet wüten und an den linken Straßenrändern beliebiger, oft auch Themenfremder Demos tatkräftig ihren Standpunkt (ver)treten.

Jetzt kommt das Problem: Der Queer-Kodex geht jeden was an. Langsam verstehe ich sogar, nach welchem Prinzip er Themen auswählt, nämlich nach Gefühl. Und da Moral und Wissenschaft langsam ziemlich nervig und rückständig sind, kommt Gefühl grade richtig. Unsere Politiker dürfen sich freuen, denn das löst so ziemlich alle Probleme, die man mit Schubladendenken, Gesetzen, Regeln und der Polizei immer hatte. Wie und als was ich mich FÜHLE, das ist entscheidend.

Leider war meine Ahnung richtig, und Klaus hat sich zu früh gefreut. Bei Pro-Life-Demos, In-Vitro-Befruchtung und den bösen Grünen hatten ein paar Leute ein schlechtes Gefühl, deshalb sind diese Indizien längst als schwarze Punkte auf der schwarzen Liste im Queer-Kodex und als Symptome für Homophobie im Internet gelandet. Ich fühle, wie leichter Unmut in mir aufsteigt und ich eigentlich keinen Bock mehr auf den Queer-Kodex habe. Ich leide wirklich, die Krankheit hat es in sich. Die Infektion schließt nämlich meine eigenen Gefühle von jeglicher Gesetzmäßigkeit aus.

Jetzt, da ich die Diagnose habe, fühle ich, dass es langsam aufwärts gehen könnte. Das wäre nur um so vieles leichter, gäbe es ein paar Gesetzmäßigkeiten, an die ich mich halten könnte.

Oder Gefühlstransfusionen. Meine Gefühlsgruppe ist 0 Negativ.