Sonntag, 31. Januar 2016

RECHTS UND LINKS

Egal, um welche Debatte es sich handelt: Paulschalurteile sind vernichtend. Etwas zu beurteilen, ohne sich in Neutralität und ehrlicher Unvoreingenommenheit damit befasst zu haben ist unwissenschaftlich.

Dazu wurde bisher so einiges geschrieben, der für mich bisher beste Artikel stammt aber von Tobias Klein AKA King Bear und findet sich HIER.

Sonntag, 27. Dezember 2015

WAS ICH SCHON IMMER MAL ZUM THEMA FREIHEIT & TOLERANZ LOSWERDEN WOLLTE


Im Februar 2016 ist wieder DEMO FÜR ALLE in Stuttgart. Das und die Diskussion um die EHE FÜR ALLE haben mich mal wieder dazu gebracht, einige Gedanken aufzuschreiben.


Wir Deutschen haben in lebhafter Erinnerung, wie es ist, wenn die Regierung das Volk in seinem Interesse erzieht. Natürlich rede ich von der NS-Zeit. So anders ist es heute nicht. Denn alles, was die Leute anscheinend mitbekommen hat ist, dass die Interessen des Staates damals falsch waren. Ist korrekt. Aber nicht nur die waren falsch, sondern auch die Methode.

Der Staat hat nicht die Aufgabe, sein Volk zu erziehen und Denkverbote zu erteilen. Damals nicht und heute auch nicht. Das Volk dagegen hat die Aufgabe, den Staat zu bilden, um den reibungslosen Ablauf der persönlichen Freiheit zu gewährleisten.

Ich bin sicher, dass viele Befürworter des Bildungsplans nur das beste wollen: Gegen Diskriminierung vorgehen. Aber wie tritt man Diskriminierung am besten entgegen? Indem man die persönliche Freiheit gewährleistet. Indem man Toleranz fordert und jeden sein Ding machen lässt, solange er seiner Umwelt nicht schadet. 

Alles, was mir wichtig ist, ist diese Freiheit. Dass jeder bitte tun darf, was er möchte, solange er das Grundgesetz nicht verletzt. Dass friedliche Katholiken mit friedlichen LGBTs friedlich zusammenleben können, falls sie das wollen, weil jeder seine eigene Überzeugung haben darf. Dass Kinder in der Schule respektvoll behandelt und aufgeklärt werden, um starke und selbständige Menschen mit einer eigenen politischen Meinung oder auch Religion werden zu können. Dass Kinder lernen, dass Menschen unterschiedlich sind und doch alle gleich wertvoll. Dass sie ihre eigene Meinung, und sei sie noch so verrückt und abwegig, haben dürfen... aber immer verstehen, dass andere Menschen eine andere haben dürfen, und das Recht dazu haben.

Ist es nicht verrückt, wie sich dieses bescheuerte Volk nach einem Monarchen sehnt? Nach jemandem, der uns anerkennt und uns Bescheinigungen ausstellt und uns zu dem macht, was wir sind?

Ich kann verstehen, dass man eine solche Sehnsucht nach Orientierung empfinden kann, wenn man z.B. religionlos ist. Ist es nicht absurd, wie wir unsere eigene Freiheit um jeden Preis loswerden wollen?
Ich spreche von der Ehe. Mich als Christen lässt die staatliche Eheschließung ziemlich kalt. Für mich ist die Ehe ein Bund mit der Liebe meines Lebens und Gott. Für einen Atheisten vermutlich einfach der Bund mit der Liebe seines Lebens... nicht der Bund mit dem Staat und der Liebe seines Lebens.

Ehe für alle vom Staat zu fordern ist ein Schrei nach Anerkennung ... an jemanden, der mir weder emotional verbunden ist noch monarchisch über mir steht. An den Staat, mensch!! Ich dachte, nein, hoffte, wir wären über sowas hinweg. Ich wünschte es mir.
In "Greys Anatomy" heiraten Derek und Meredith im Aufenthaltsraum und schreiben ihre ganz persönliche Heiratsurkunde auf einen Notizzettel. Weil sie freie Menschen sind.

Die Regierung hat natürlich die Aufgabe, das Fortleben des Volkes zu sichern und gibt daher im Interesse des Volkes steuerliche Vorteile heraus, wenn sich ein Paar zwecks Fortpflanzung zusammentut. Bei gleichgeschlechtlicher Ehe nicht so ganz der Fall. Klar, auch die anderen heiraten nicht immer zwecks Fortpflanzung...manchmal bewusst, manchmal einfach aus physichen Gründen. Und falls man denen die steuerlichen Vorteile verweigert, meinetwegen!

Werdet endlich erwachsen! Macht euer eigenes Ding...und ernennt unsere Volksvertreter nicht zum allmächtigen Staat, der uns Dinge erlauben soll, die uns kein Mensch verboten hat. Der meinem Nachbarn verbieten soll, sein Haus lila zu streichen. Der mich endlich zum Einkaufen fahren und dann noch das Auto tanken soll...der bitte die Kinder erziehen soll...aber zack zack!

Mir ist egal, was der Staat von meinem Leben, meinen niemandem schadenden Beschäftigungen, meiner Religion und meinem Geschmack hält. Weil ihn das nichts angeht und ich selbst groß bin. Weil ich frei bin.

Ich wünsche euch allen, dass ihr frei werdet. Dass solche Späße wie Kindererziehung von oberster Stelle aufhören. Dass Menschen ihre Freiheit genießen lernen und friedlich und ohne andere zu beleidigen das tun, wozu sie sich berufen fühlen.

Es ist schrecklich, wenn irgendwelche Dilettanten andere aufgrund ihrer Religion, Sexualität, Denkweise oder ihres zweifelhaften Geschmacks diskriminieren, beleidigen, verletzen. Aber um dem entgegenzuwirken bring es nichts, wenn die Meinung dieser Menschen einfach zur Gegenmeinung erhoben und als alleinig akzeptabel aufgestellt wird. Wir brauchen keine Meinungsbildung. Wir brauchen Charakterbildung, die stark, selbständig und tolerant ist.

Mich stört die Vorstellung, die wir von Regierung haben...und die manche Regierende von sich selbst zu haben scheinen. Diese Sicht müssen wir ändern! Wie kann es sein, dass in einer Demokratie Menschen das Gefühl haben, von denen da oben ignoriert zu werden, weil die da oben irgendwie ein Eigenleben entwickeln?

Ich sage nicht: Bitte tut was! Was ich meine, ist: Bitte seid unsere Stimme.
Eine Religion, einen eigenen Charakter und das Recht, so zu leben, wie ich möchte, hab ich nämlich schon. Und wenn die Schule es schafft, die Eltern darin zu bestärken, aus Kindern freidenkende, tolerante und selbständige Menschen zu machen, werden Antidiskriminierungsgesetze hinfällig. Aber jemandem beizubringen, dass es Tabus des Denkens gibt, macht ihn nicht frei. Es macht ihn intolerant.

Samstag, 19. September 2015

GIANNA JESSEN: ICH ÜBERLEBTE MEINE ABTREIBUNG

"Meine biologische Mutter war im siebten Monat schwanger als sie sich entschloss, mich abzutreiben. Ich weiß nicht, wieso sie diese Entscheidung traf. Es war 1977. Sie und mein biologischer Vater waren damals 17 und nicht verheiratet.

Sie ging in eine Klinik in Los Angeles und ließ eine Abtreibung durch Säure vornehmen. Dabei wird eine Salzlösung in den Bauch der Mutter injiziert, welche das Baby schluckt. Diese Lösung verätzt das Baby also von innen und von außen. Die Idee war, dass sie das tote Kind innerhalb von 24 Stunden auf die Welt bringt. Aber durch Gottes Gnade überlebte ich.

Der Abtreibungsarzt war gerade nicht im Dienst, als ich zur Welt kam. Wäre er es gewesen, hätte er mein Leben durch Strangulation oder Ersticken beendet, oder mich einfach zum Sterben liegen lassen, was bis zum 5. April 2002 in den USA völlig legal war. Heutzutage müsste ein Kind, das seine Abtreibung überlebt hat, medizinisch versorgt werden. Der Arzt müsste eine Geburtsurkunde unterschreiben. Er müsste ein Leben bestätigen, das er nur Stunden vorher versuchte zu beenden.

Die einzige auch nur im entferntesten um mein Wohlergehen besorgte Person war die Krankenschwester. Sie rief einen Notarzt und ließ mich in ein Krankenhaus bringen. Nur zwei Pfund schwer wurde ich in einen Inkubator gelegt. Man erwartete nicht, dass ich überleben würde.

Nach einigen Monaten war ihnen jedoch klar, dass ich einen gewaltigen Überlebenswillen hatte. Ich kam in die Fürsorge und wurde mit 17 Monaten mit zerebrale Kinderlähmung diagnostiziert, eine Folge des Sauerstoffmangels den ich erlitten hatte, während ich 18 Stunden lang im Bauch meiner Mutter bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Ich konnte mich nicht bewegen und sie sagten, dass ich für den Rest meines Lebens einfach nur Gemüse sein würde.

Meine Pflegemutter, Penny, beschloss mit mir zu arbeiten, egal, was die Ärzte sagten. Sie machte mit mir dreimal täglich meine Übungen und ich begann, den Kopf zu heben, zu sitzen und zu krabbeln. Irgendwann, mit dreienhalb Jahren, war ich in der Lage mit Stützschienen und Gehhilfe zu laufen. Das war in dem Alter, als mich Pennys Tochter, damals um die dreißig, adoptierte.

Ich bin jetzt 28 und arbeite als Musikerin in Nashville, Tennessee. Ich hinke noch immer beim Laufen und falle manchmal hin. Aber ich habe eben meinen ersten Marathon abgeschlossen und werde nächsten April den London Marathon laufen um Spenden für Kinder mit zerebraler Kinderlähmung zu sammeln.

Diana hat mir von meiner Vergangenheit erzählt. Ich hatte immer schon so eine Ahnung, dass da etwas war in meiner Lebensgeschichte. Ich fragte immer nach, wieso ich Kinderlähmung hätte. Man sollte denken, dass ich zufrieden hätte sein können mit der Antwort, ich sei zu früh zur Welt gekommen oder hätte eine traumatische Geburt erlebt.

Doch als ich mit 12 Jahren wieder nachfragte und sie wissen wollte, ob es mir wirklich ernst war, sagte ich ja. Als sie es mir erklärte war meine Antwort typisch für eine Zwölfjährige. Ich sagte einfach, dass ich nun zumindest aus einem interessanten Grund Kinderlähmung hätte. Meine Mutter sagte etwas Gutes: Anstatt sich auf die Tatsache zu konzentrieren, dass du fast gestorben wärst, freue dich darüber, dass du lebst. Und das tue ich.

Als ich 17 war traf Diana meine biologische Mutter und richtete ihr ganz klar meine Vergebung aus. Ich bin Christin. Ich glaube, dass Verbitterung unser Leben auffrisst. Ich will das Gegenteil sein von bitter. Ich hatte sie nie treffen wollen. Penny hat mich so wunderbar geliebt, dass ich nicht das Bedürfnis fühle. Ich weiß nicht viel von diesem Treffen, außer dass sie nicht um meine Vergebung bat und später eine weitere Abtreibung gehabt hatte.

Ich begann über Abtreibung zu sprechen als ich 14 war und werde kommenden Dienstag bei einem Treffen das Parlaments vor dem Unterhaus darüber reden. Ich glaube, dass es wichtig ist, als jemand, der solche Dinge erfahren hat nicht nur die Wahrheit über Abtreibung zu verbreiten, sondern auch über das wunderbare Leben, welches man durch den Sieg über seine Schwächen haben kann.

Ich glaube nicht an ein Recht aufs Töten. Ich bin komplett gegen Abtreibung unter allen Umständen, auch bei Vergewaltigung.

Obgleich Vergewaltigung ein furchtbares Verbrechen ist glaube ich nicht, dass ein Kind für dieses Verbrechen bezahlen muss. Ich glaube nicht daran, dass Abtreibung in diesem Fall ein Problem löst. Tatsächlich habe ich Leute getroffen, die durch Vergewaltigung gezeugt wurden und sagen, dass sie froh sind am Leben zu sein. Wenn es bei Abtreibung vor allem um die Rechte von Frauen gehen soll, wo sind meine? Es gab keine radikalen Feministen die nach meinen Rechten gebrüllt hätten, welche an jenem Tag verletzt wurden.

Jeden Tag danke ich Gott für mein Leben. Ich sehe mich nicht als Nebenprodukt einer Empfängnis, einen Zellklumpen oder irgend eine andere Sache, als die Ungeborene oft bezeichnet werden. Ich sehe nicht ein, dass irgendjemand gezeugt wurde um eins davon zu sein. Ich habe Abtreibungsüberlebende getroffen. Sie alle sind dankbar für ihr Leben.

Heutzutage ist ein Baby nur ein Baby wenn es grade passt. Falls der Zeitpunkt nicht passt, ist es ein Zellklumpen. Ein Baby ist ein Baby, sobald im zweiten, dritten, vierten Monat eine Fehlgeburt stattfindet. Ein Baby wird als Zellklumpen bezeichnet, wenn im zweiten, dritten, vierten Monat eine Abtreibung durchgeführt wird. Warum ist das so? Ich sehe keinen Unterschied.

In glaube daran, dass ich der lebende Beweis dafür bin, dass Abtreibung der Mord an einem Menschen ist. Vor 28 Jahren fühlte meine Mutter die Berechtigung zu einer Entscheidung, von der sie dachte, dass sie nur sie selbst betreffen würde. Und doch trage ich die Spur ihrer "Wahl" in Form meiner Kinderlähmung jeden Tag meines Lebens bei mir. Obgleich ich ihr das nicht vorwerfe denke ich, dass es wichtig ist, dass Menschen darüber nachdenken, ehe sie ihre Entscheidung treffen."

Dieser Artikel stammt vom 6.12.2005 und ist zunächst bei The Independent (UK) und auf LifeNews.com (http://www.lifenews.com/2005/12/06/nat-1880/) erschienen.

Heute ist Gianna Jessen eine der bekanntesten Lebensrechtlerinnen in den USA und Weltweit.
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